Elmar Lechers Homepage
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Segeltörn Oslo - Fehmarn
Abfahrt zum Segeln...Photos von der SegeltourKiel - Oslo (N), Freitag, 18. Juni 2004 Abfahrt nach Oslo. An Bord der Prinsesse Ragnhild verlassen wir um 13:30 Kiel. "Der Grüne" Wagen steht in der 1-Stunden-Parkzone - mit Parkscheibe. Mal sehen ob er in 1 Woche noch da steht und ob das zulässige Gesamtgewicht noch nicht überschritten ist. Naja, ich werde es nicht sehen, mein Vater wird ihn ja selber abholen. Wir rechnen uns aus, das Taxi zum Abschlepplager + Ticket bei den Parkhauspreisen am Oslokai genauso teuer ist wie Abschleppen lassen... Entscheidung & Bier meines Vaters ;-) Die Fähre ist recht nett, der Alkohol billig, die Luft gut, was dazu führt, das ich schnell nicht mehr die genaue Position des Schiffes bestimmen kann... Aber egal, ich bin ja nicht der Kaptain der Fähre. Rätätä, Rätätä, morgen ham wir Schädelweh....
Ankunft in OsloOslo (N) - Søn (N), Sonnabend, 19. Juni 2004Ich wache auf - es schmerzt und irgendwas wummert. Die Schmerzen waren der Alkohol, das Wummern der Fährenmotor. Nach einem leicht ekeligen Frühstück habe ich auch noch Unwohlsein im Magen an Bord, dabei bin ich noch garnicht auf dem Boot. Beim Ausklarieren hat angeblich niemand was zu verzollen, obwohl es um mich herum überall ein wenig gläsern klingelt. Trotzdem kein Grund für irgendeinen norwegischen Zöllner mal auch nur einen vom Schiff zu kontrollieren. Norwegisches Wetter ist sehr wechselhaft, aber meistens enthält es Regen wurde mir gesagt. Es stimmt. Bisher. Die Taxifahrer in Oslo sprechen kein Englisch und kein Deutsch, nur Norwegisch und vermutlich einen Indischen Dialekt. Trotzdem kommen wir an den Aberbryggen an, wo die Seelöwe liegt. Da wir um 16:00 ablegen wollen, haben wir noch ein wenig Zeit, welche wir in dem Vigelandsparken vertreiben. In diesem Park hat der Herr Vigeland große Mengen Granit und Bronze in verschiedenste Figuren geformt, die durch ihren Realismus bestechen. Der ganze Park ist höchst geometrisch, die Reihenfolge der Figuren zeigt das Leben eines Mannes vom Sägling bis zum Tod, die Sonnenuhr zeigt Minuten an. Der ganze Stil wirkt mathematisch, berechnet, geordnet - und realistisch. Um 16:30 wird abgelegt und wir verlassen Oslo. Wir segeln den Oslofjord bis Søn herunter, wo wir in einem kleinen malerischen Hafen festmachen, in dem gerade eine Regatta zuende geht. Überall in Norwegen ist Sommersonnenwendenfest, schliesslich ist es das Wochenende, was am nächsten zur Sommersonnenwende liegt. Die Einladung zur Party schlagen wir aus, weil wir am Abend zuvor schon auf der Fähre Party hatten. Ein Fehler, wie sich zeigen wird. Tagesweg: 29sm, davon 14 unter Segel.
SønSøn (N), Sonntag, 20. Juni 2004Søn ist ein kleines Kaff am Ende des Oslofjord in Südnorwegen. Vergleichbar von der Größe mit Heinde (Wer's kennt weiss was ich meine. Wer nicht, frage map24.de), hat es Søn immerhin zu sowas wie einer Provinzhauptstadt gebracht - irgendwie. Sehr malerisch in einer Bucht gelegen ist es ein feiner, gut geschützter Hafen, der die 21 Knoten Wind - in Böen 26 Knoten - zu einem Irrtum des Deutschen Wetterdienstes werden lässt. Scheinbar. Der Deutsche Wetterdienst ist gut informiert. Wir machen wieder in Søn fest, weil wir einen größeren Schlag vorhaben - und der Wind genau von vorne auf die Nase kommt. Was bleibt ist eine Erkundung von Søn - erwaehnte ich, das es regnet? Als der Regen aufhört ist es spät - trotzdem wird es nicht dunkel. Die ganze Nacht (?) kann man auf Deck Zeitung lesen. Tagesweg, 8sm, davon 6 unter Segel.
Die große KotzereiSøn (N) - Strömstad (S), Montag, 21. Juni 2004Um 05:30 legt der Seelöwe ab - während ich noch schlafe. Wir segeln von Søn Richtung Schweden, was wir heute noch erreichen wollen. Es regnet nicht - nur Schauer, ca 70% der Zeit. Wir erfreuen uns an den übrigen 30% und laufen bei ca 20 Knoten Wind meistens hart am Wind nach Süden. Die Wellen erreichen eine Höhe von 2m und gegen abend - zusammen mit der einsetzenden Müdigkeit - beginnt die große Kotzerei. Der Eine liegt bewegungsunfähig unter Deck, die Andere verliert bei der wiederholten Essensrückgabe fast den Halt am Boot. Die Haare müssen vor Verschmutzung durch vorverdaute Essensreste bewahrt werden. Ich bleibe verschont, muss aber verstärkt Ruder gehen. Kurz bevor wir Schweden erreichen hört der Regen auf und die Sonne kommt raus. Um 18:00 machen wir in Strömstad fest. Wir geniessen eine Pizza bei den Resten des Fussballspieles England gegen Kroatien und stellen fest, daß in der Geschichte von Strömstad eine Seemmine eine besondere Rolle gespielt haben muss. Der Tagesweg beträgt 74 sm, davon 53 unter Segel.
Einkaufen in Schweden, malerisches HamburgsundStrömstad (S) - Hamburgsund (S), Dienstag, 22. Juni 2004Wir bunkern Lebensmittel. Das heisst, wir gehen zu fünft in den Supermarkt und kaufen, was wir tragen können. Ich wünschte, die Europäische Union würde mal dazu führen, daß es diese Waren auch in Darmstadt im Supermarkt gibt. Wir laufen um 14: 00 in die Schären aus. Das muss man sich vorstellen wie ein Streusselkuchen - die Streussel ragen aus dem Meer raus - und sind aus Granit. Unübliche Erfahrungen für einen Segler - da ist eine riesengroßer Stein im Wasser, er ist 200x70m, man kann ein Handtuch rübergeben - und die Wassertiefe beträgt über 30m. Unglaublich. Ich mache viele schöne Fotos von Steinen, Möven und Kormoranen auf Steinen, Steinen mit Wasser und Steine vor Steinen. Große Steine übrigens, wie ich anmerken muss, viele dieser Steine passen nicht auf ein Schiff. Die Navigation ist unglaublich tricky - muss ich nu schon vor diesem "Stein" abbiegen oder danach? Wir entscheiden uns an dem Tag immer richtig und sind um 19:20 im Hamburgsund. Sehr sehr schön hier, und da wir in Schweden sind ist auch gutes Wetter. Als Vorspeise gibt es Krabben, als Hauptspeise auch und auch als Nachspeise. Natürlich ist alles eine riesige Schweinerei, aber wen stört das schon? Die Krabben sind größer als alle die ich bisher gesehen habe - und das bei Preisen, die geringer sind als unsere Mensa. Frisch vom Kutter übrigens. Tagesweg 30sm, davon 24 unter Segel.
Sturm am HorizontHamburgsund (S) - Grundsund (S), Mittwoch, 23. Juni 2004Die Wettervorhersage für den Abend beträgt 30 knoten Wind, in Boen 40 - da ein Sturmtief von England heranzieht entscheiden wir uns sehr früh auszulaufen. Den ganzen Tag segeln wir in den Schären nach Süden - die Navigation wird immer komplizierter, die Brocken immer mehr. Ich wünsche mir Dynamit - viel Dynamit. Dynamit scheint überigens ein sehr gebräuchliches Werkzeug hier zu sein, selbst Gärten und Hauseinfahrten sind oft freigesprengt. Aber was will man machen, wenn überall Granit herumliegt - in Riesengrossen Massen, in beim deutschen Steinhaendler unbezahlbaren Mengen. Alles ist hier aus Granit oder Marmor, selbst die Zebrastreifen. Aber liegt ja überall herum - und bestimmt billiger als Beton. Es kommt also nur darauf an, was man daraus macht. Wir entscheiden uns für eine Mittagspause zum Eisessen in Smögen anzulegen. In der Hafeneinfahrt können wir gerade noch verhindern, daß wir auf ein buntes Riff in der Hafeneinfahrt laufen. Smögen ist überigens ein malerischer Schwedischer Touristenort, der so sehr Tourismus ist, daß vor den Steinen ein Kreuzfahrtschiff liegt, was in kleinen Tendern amerikanische Touries an Land wirft. Diese Tender kennen kein Seerecht, die kennen nur die eigene Vorfahrt. Wir vermissen eine Kanone an Bord und ich wünsche mir eine Mauer um Amerika. Da die ganze Stadt auf Pfählen auf den Steinen steht kann man gut den Meeresboden sehen. Auffallend sind neben den vielen Quallen die bunten Korallenähnlichen Unterwasserpflanzen auf den Steinen. Da der Wind immer stärker wird verlassen wir Smögen bald wieder in Richtung Grundsund, wo wir bei inzwischen starken Winden um 17:00 festmachen. Grundsund ist ein sehr krasser Hafen, der extrem gut geschützt ist. Ab 20:00 beginnt das, was wir Sturm nennen - Windgeschwindigkeiten von 23 knoten, in Boen 35 Knoten, es regnet kleine Hunde. Die Nacht soll noch schlimmer werden, wir warten mal ab. Im Moment wissen wir nicht, ob wir morgen hierbleiben werden. Deutschland scheint bei der Fussball-EM ausgeschieden zu sein - bekommt man zumindest im irc gesagt. Ich denke Ruuuuuuuuudi bleibt nicht Trainer der Nationalmanschaft, aber iss ja auch nicht so wichtig. Tagesweg 31sm, davon 25 unter Segel.
... und es regnet ...Grundsund (S) - Gullholmen (S) - Henån (S), Donnerstag, 24. Juni 2004Auch das Schwedische Wetter besteht in erster Linie aus Regen - zumindest macht der heutige Tag den Eindruck. Um für den Starkwind besser gerüstet zu sein sind wir einen Hafen weitergefahren - nach Gullholmen. Dort liegen wir jetzt, essen zu mittag und warten auf besseres Wetter. Bisheriger Weg: 5sm unter Motor. Nach dem Mittagsessen sind wir weitergefahren. Wir verlassen die Ostseeküste und fahren furch Wälder den Stigfjorden hinein - nach Henån. In Henån werden die Najad-Yachten gebaut - ich tippe mal eine URL: www.najad.se. Das erwähne ich deswegen, weil wir mit einer Najad unterwegs sind - einer Najad 361. Details verrät Euch sicherlich Google. Bemerkenswert, was für eine kleine Firma Najad ist - und was für ein kleines Dorf Henån ist. Umso beeindruckender die Yachten, die dort gebaut werden. Einige neue 400er, eine nagelneue 460er mit Stars and Stripes als Nationale am Heck und eine 500er, die "vollausgestattet" mit dem Adenauer am Heck auf die Fahrt in die neue Heimat wartete. Wem die Najad-Klassifizierung nicht geläufig ist - einfach das Komma um eine Stelle nach Links shiften und man erhält die Länge der Yacht in Fuss. Preisliche Aussagen kann ich leider nicht machen, die weiss sicherlich ein Yacht-Dealer eures Vertrauens. Ein Dorf weiter ist noch die Werft von Hallberg-Rassy, was sicher mehr kennen als Najad. Dem BWL-Lehrbuchkapitel über Standortwahl spotten diese Yachtwerften auf jeden Fall Hohn - 30km Wald in alle Richtungen, eigentlich in der Mitte von nirgendwo. Landschaftlich ist auch diese Gegend wunderschön - das klingt mitlerweile nach einer Wiederholung, ist es auch - aber hier ist alles schön bisher. Alles Anders und trotzdem alles schön. Rund um Henån ist die Landschaft ein wenig wie im Harz - nur ohne Menschen und ohne Häuser. Sanfte Hügel mit ungefähr zur Hälfte unter Wasser gesetzt. Achja: Es regnete nicht. Es nieselte nur. Mit Sicherheit eine Verbesserung. Wir hoffen auf weitere Wetterverbesserung. Tagesweg 18sm, davon 13 unter Segel.
Mitsummer in MarstrandHenån (S) - Marstrand (S), Freitag, 25. Juni 2004Tanken ist mit dem Schiff irgendwie das Gleiche wie mit dem Auto. Nur der Service iss besser. Wir laufen zügig aus und segeln den Hakefjord herunter.. Anfangs können wir viel Segeln - aufkreuzen in Perfektion wird geübt und beherrscht, ich qualifiziere mich als Navigator 1. Klasse während die Mannschaft meine Ideen perfekt umsetzt. Die Navigation ist nicht so einfach hier, die Gewässer sind eher unübersichtlich, ein enger Fjord, indem die kleinen Wikinger das Segeln erlernen. Die Sonne hatte ein Einsehen und brach aus den Wolken heraus - die Temperaturen stiegen zügig, was der Stimmung an Bord sicherlich nicht abträglich war. Gegen 19:00 erreichen wir Marstradt. Das ist eine Stadt, die aus 3 Inseln besteht, der "Landkreis" sind hunderte von Inseln, auf denen kleine Dörfer sind. Es ist der Freitag nach der Sommersonnenwende - Skandinavienreisendene wissen, was da los ist. Man muss ja sagen, das die Sommersonnenwende in Deutschland nicht wirklich Bedeutung hat - hier hat sie eine. In einer Gegend, in der es im Winter nicht richtig hell wird wird es im Sommer nicht wirklich dunkel. Das Wochenende nach der Sonnenwende - Midsummer genannt - ist hier in Schweden das Party-Wochenende #1. Wir haben das im kleinen in Søn in Norwegen schon erlebt, hier erleben wir die Schwedische Variante. Alle jüngeren Menschen der Umgebung setzen sich in ihre Boote und fahren in die nächstgrössere Stadt - in unserem Fall halt Marstrand. Normalerweise sind Häfen ja eher ruhig - vom Kreischen der Möven und den "üblichen" Hafengeräuschen mal abgesehen - aber hier empfing uns laute Musik und kreischende Frauen. 20Jährige Kerle versuchten sich (erfolgreich) von Möven bescheissen zu lassen (wirklich), auf dem benachbarten 2-master stapelten sich am Deck mehr Bierkisten als Mitsegler. Heranwachsende bemühten - doch meist erfolgreich - auf dem ca 4 meter breiten Steg endlangzugehen ohne ins Wasser zu fallen und auf einem anderen Schiff wurde jedes einlaufendene Schiff mit einer Runde "Snaps" begrüßt - natürlich für die eigene Crew. 36Fuß Yachten mit einem 20-stimmigen Chor, der noch viel Übung brauchen könnte veruchten in die Jahre gekommene Hits von Bon Jovis Chrossroads mitzuschmettern, Minderjährige Schwedinnen übten sich im Britney Spears Performancen. Eine Stimmung wie auf dem Hurricane. Sehr empfehlenswert. Und wieder die Erkenntnis, das Prohibition nicht wirklich Alkohol-Konsum verringert.. Tagesweg 48sm, davon 24 unter Segel.
GöteburgMarstrand (S) - Hinstholmskilen (S), Sonnabend, 26. Juni 2004Morgens bot sich in Marstrand ein gar seltsamer Anblick - vertraut und doch anders. Auf vielen Vorschiffen lagen im Regen (was sonst?) die Partygänger der letzten Nacht, meißt mit einem Schlafsack bekleidet. Wir verliessen den Hafen recht früh durch den Albrechtsundkanal - das ist quasi die Hintertür von Marstrand, die genau unseren Kurs entsprach. Während der Albrechtsundkanal noch recht eng war wurde es danach schnell breiter. Die Scheren wurden langsam weniger, die Navigation weniger schwierig. Mittags befuhren wir den Hafen von Göteburg, durch den wir nahezu komplett durchmussten. Das ist schon ein wenig strange - zwischen all den Hochseetauglichen Handelsschiffen. Göteburg ist die erste Großstadt die wir nach Oslo befuhren. Große Containerterminals, Fähren, ewig lange Einfahrt in den Hafen, dessen Wasser mit Sicherheit das dreckigste der Reise war. Wir machten in einem kleinen malerischen Stadthafen Ulla Bommen fest. Mein Vater ging leider wie geplant vom Schiff und fuhr mit der Stena Scandinavica nach Kiel zurück. Wir verließen den Hafen wieder und machten in dem kleinen Vorhafen Hinstholmskilen fest - kein sehr schöner Hafen, in dem wir an den Stegkopf festmachen mussten. Duschen? Toiletten? Hafenmeister? Fehlanzeige. Immerhin war es so auch umsonst. Tagesweg 28sm, davon 14 unter Segel.
Schweinswale bei Haleands SvarkärHinstholmskilen (S) - Varberg (S), Sonntag, 27, Juni 2004Wir müssen weiter nach Süden. Langweilige Fahrt größtenteils unter Motor, das einzige Aufregende für die Crew: Schweinswale am Leuchtturm Haleands Svarkär. Spätnachmittags laufen wir in Varberg ein. Wir waren die ersten Segler im Hafen und können uns den Liegeplatz aussuchen. Wir geniessen eine heisse Dusche mit defektem Zeitschalter (Dusch-Flatrate) und erleben beim Abendessen ordentlich Hafenkino. Hafenkino. Das ist, wenn man auf deinem Achterdeck sitzt und sich an den Segelkünsten der einlaufenden Yachten erfreut. Könner erkennt man sofort, geradewegs ohne umwege zügig eingeparkt - bei Seglern heisst das überigens anlegen. Nichtkönner drehen 4 - 9 Hafenrunden, diskutieren über den besten Liegeplatz, legen ... aeh .... Phantasievoll an, ziehen circa 8 Landleinen die dann durch Leinenschoner gezogen werden. Das ist das Segleräquivalent zum Plastiksofaschoner. Leider bin ich mir sicher, daß beim nächsten mal wir Hafenkino für andere liefern werden. An Varberg ist überigens das sehr schöne Strandbad und die beeindruckende Festung bemerkenswert. Der Besitz dieser Festung ist in der bisherigen Geschichte mehrfach zwischen Schweden und Dänemark hin- und hergegangen. Wir lernen das Skandinavien ein durchaus kriegerisches Land ist, ihre Krieger - die Wikinger - sind ja auch Legende geworden. Die Windvorhersage für morgen besagt uns viel Wind in der richtigen Richtung... Tagesweg: 41sm, davon 9 unter Segel.
Strecke machen im SturmVarberg (S) - Högnäs (S), Montag, 28. Juni 2004Wie von der Wettervorhersage vorhergesagt hat der Wind gedreht - in eine für uns günstige Richtung. für den Nachmittag / Abend ist ein einsetzender Sturm angekündigt, also versuchen wir so weit wie möglich nach Süden zu kommen. Um 08:00 laufen wir fröhlich aus Varberg mit dem Tagesziel Helsingborg aus und versuchen Strecke zu machen, was auch gelingt. Ein schönes Segeln über die offene See - stundenlang kein Land in Sicht. Am Anfang mit Windstärke 3-4, was angenehmes Segeln ist. Die Wettervorhersage sollte sich aber früher als vorhergesagt erfüllen - bald stiegen die Winde auf über 25 Knoten mit Böen von über 35 Knoten - da das schon eine sehr steife Briese ist, wurde das Groß gerefft und die Genua eingeholt - und trotzdem schossen wir mit bis zu 8 Knoten übers Meer. Regen setzte ein, das erste richtige Gewitter überrollte uns. Es gelang unter Mühen das Groß herabzunehmen, der gesamte westliche Himmel war schwarz, wogegen es im Osten immernoch strahlend Blau war. Wie ein großer Berg baute sich ein CumulusNimbus - der Mächtige - vor uns auf, mit einem riesengroßen Amboss oben auf, der alles überragte. Wer noch nie ein Gewitter auf See gesehen hat kann sich nicht vorstellen, wovon ich rede, beeindruckende Scenerie, die einem auf das wirklich menschliche Maß von 2m zurechtstutzte. Die Wellen liefen nun von achteraus ein - allgemein als Kotzkurs bekannt. Bei uns an Board konnte aber jeder seinen Mageninhalt bei sich behalten. Nachdem dann das 1. Gewitter durchgezogen war, besserte sich die Sicht kurz und wir bekamen einem schönen klaren Regenbogen zu sehen. Aber die nächste Wolke zog heran, diesmal erwischte uns der Regen voll. Unvorstellbare Wassermengen kamen herunter, die Sicht sank auf weniger als 200m, was mir als das gefährlichste dabei vorkam - schliesslich fuhren wir in einer der am meissten befahrenen Schifffahrtsstrassen der Welt. Nach der Regenwolke kam die Sicht zurück - und zu unserem Erschrecken sahen wir einen grossen Frachter in 300m Entfernung, der zwar nicht auf uns zukam aber uns die Gefährlichkeit der Aktion vor Augen führte. Wir entschieden uns das Tagesziel Helsingborg aufzugeben und nach Högnäs auszuweichen, was der nächste Hafen war der laut Hafenhandbuch für uns in Frage kam. Dort legten wir erstmal an, was eine durchaus spannende Aktion war. Mit viel Glück und Können konnten wir Schäden am Schiff vermeiden. Die Wellenhöhe stieg auf deutlich über 2m, es sah aus, als ob die See kochte. Weisse Gischtkämme zogen über den ganzen Sund, die Luft war salzig feucht. Wir hatten keinen tollen Liegeplatz, aber wir lagen. Essen an Bord sollte heute ausfallen, wir gingen in ein oberfeines Restaurant am Hafen, was 4 Sterne verdient hat aber keine 4-Sterne Preise hatte Tagesstrecke 70sm, davon 60 unter Segel
eingeweht, deswegen HafentagHöganäs (S), Dienstag, 29. Juni 2004Die Nacht war schwer. Achterlicher Wind mit 20 - 30 Knoten, in Böen 40, ein wenig geschützter Liegeplatz - kaum Schlaf. Der Hafenmeister schaut morgens um 08:00 vorbei, als wir unsere Vertauung überprüften - und verhalf uns zu einem neuen - wesentlich besseren - Liegeplatz. Eingerahmt von Fischerbooten lagen wir nun Windgeschützt - und der Wind nahm weiter zu - der Sturm zog direkt über uns hinweg. - aber die Richtung drehte und die Welle kam nicht mehr durch die Hafeneinfahrt rein. Trotzdem lagen wir nun wesentlich ruhiger und wir holten unseren Schlaf nach. 23 Knoten Minimum, 42 Knoten Maximum gab unsere Windanzeige aus. Gemäß unserem Buch "Seemannschaft" ist das Windstärke 6-7 Beaufort, in Böhen (gerademalso) 9. 6-7 sind 39 - 61km/h - "Große Zweige werden bewegt, Wind singt in der Takelage. Kleine Bäume werden bewegt, fühlbare Hemmung beim Gehen gegen den Wind." 9 ergibt 75 - 88 km/h - und unser Buch meint so treffend: "kleinere Gegenstände werden aus Ihrer Lage gebracht." Nette Umschreibung für all den Krempel, der durch den Hafen wehte. Abends wurde ich zum Smutje, und es gab Bandnudeln a'la Carbonara. Rezept: Zwiebeln in hälfte / hälfte Butter / Öl glasig braten. ausreichend kleingeschnittenen Schinken hinzugeben. Wenn der Schinken seine Farbe ändert Sahne hinzugeben, kräftig pfeffern. Abschmecken, in den Topf mit den fertig gekochten Bandnudeln geben. Durchrühren, 3 Eigelb drunterrühren Tagesstrecke: 2 * zum Klo, macht ca 500m. Nix unter Segel.
In Dänemark, in der OstseeHöganäs (S) - Rødvik (DK), Mittwoch, 30. Juni 2004Irgendwie haben wir alle so gut geschlafen, das wir verpennt haben. Um 09:00 sind wir aus Höganäs ausgelaufen, Kurs süd, ca 190 Grad. Immerhin - so umgingen wir den Berufsvehrkehr zwischen Helsingborg und Helsingör und konnten uns in Ruhe das Schloß von Helsingör anschauen - gerüchteweise spielt dort Hamlet, was ich aber nicht persönlich bestätigen kann. Hier wechselten wir auch von der schwedischen auf die dänische Seite des Sundes, und an der dänischen Ostküste segelten wir weiter nach Süden - an Kopenhagen mit einer riesigen Offshore-Windkraftanlage vorbei, immer weiter, begleitet von großen Schiffen wechselnder Nationen. Überhaupt Kopenhagen - das Frankfurter Kreuz Skandinaviens. Großer Hafen, Schiffshighway, Flughafen, bei dem die Flugzeuge über See - also über uns - anfliegen, die gigantische Sundbrücke in Sicht und Züge am Flughafen. Ozeanriesen, die sich wie auf der Autobahn die LKW's im Gänsemarsch einreihen müssen, Fähren, die einfach mal warten müssen, bis die Captain Diamantis aus Piraeus vorbei ist. Ein Schifffahrtskreisel 10sm Südlich von Kopenhagen vervollständigt den Eindruck einer enormen Vehrkehrsdichte im sonst eher so geruhsamen Norden. Wir haben auf jeden Fall in 4 Stunden mehr große Schiffe gesehen als in der ersten Woche zusammen. Es sollte ein Tag zum Strecke machen werden, mit Winden aus dem Westen anfangs zwischen 15 und 25 Knoten, nachher abfallend auf unter 10. Das entspricht Windstärke 4-5, später halt eher 3. Die Wassertiefe sinkt immer weiter - langsam sind wir nun in der Ostsee In Dänemark gibt es überigens weder GRPS noch UMTS noch EURO - rückschrittlich in jeder Beziehung ;-) Was beim Formulieren dieser Zeilen noch auffällt: Es könnte sich durchaus lohnen im Hafen von Rødvik nach Öl zu bohren - Geruch und Schlieren auf dem Wasser nach zu urteilen. Tagesstrecke 69 sm, davon 61 unter Segel
der letzte Abend...Rødvik (DK) - Hesnæs (DK) , Donnerstag, 1 Juni 2004Wir laufen morgens bei Regen aus - mal wieder. Der Wind kommt wieder von vorne. Beste Vorraussetzungen also. Später schwächt der Regen zu Nieselregen ab, die Sicht wird dadurch aber leider nicht besser, sondern schlechter. Wir motoren erst eine Runde, bis wir zu den Kreidefelsen kommen. Dort kommt die Sonne heraus und wir können Segel setzen. Leider zieht schnell ein Gewitter auf, was feine Bilder an den Himmel projeziert. Verzweifelt suchen wir die grüne Tonne, die die Hafeneinfahrt von Hesnæs markiert. Die Navigation ist ein wenig schwierig, weil Stellnetze im Wasser die Durchfahrt verwehren. Letztlich finden wir die Einfahrt (natürlich) schon und gelangen so in den kleinen schönen Fischereihafen Hesnæs. Da es der letzte Abend an Bord der Seelöwe ist begeben wir uns auf einen Spaziergang die Steilküste lang. Natürlich erklettern wir sie auch, wir lassen kleine Pfützen in die Ostsee zurücklaufen - kurz: Wir machen alles das, was Dänemarkreisende normalerweise auch tun. Zum Sonnenuntergang klettern wir auf die Hafenmauer, essen Käse mit Salz & Pfeffer und trinken Rotwein. Tagesstrecke 45 sm, davon 15 unter Segel
zurück nach FehmarnHesnæs (DK) - Fehmarn, Freitag, 2. Juli 2004Tagesstrecke 65sm, davom 30 unter Segel Gesamtstrecke 561sm, davon 347 unter Segel
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© 1999,2001 Elmar Lecher |